Die Versorgung der Familie ist seit jeher dem Mann zugeordnet: Er jagte und erlegte das Wild. Die Frau sorgte für dessen Zubereitung und erzog die Kinder. Diese Aufgabe übernimmt heute mancherorts der Mann. Ist er deshalb ein Softie?
“Als Managerin habe ich Vollzeit gearbeitet und wurde gut bezahlt. Wo ich auch hinkam, war mir die Anerkennung sicher. Heute arbeite ich als Mutter rund um die Uhr und mit noch größerer Verantwortung - ohne Bezahlung. Von Anerkennung kann ich nur träumen”, so erzählte mir eine Mutter. Wer den Erziehungsurlaub für Väter nimmt, kann ähnliche Erfahrungen machen. Oft wird er mitleidig belächelt oder als Versorger der Familie in Frage gestellt. Dabei ist der Erziehungsurlaub für Väter eine große Chance, die “andere Seite” kennenzulernen, und das, ohne Gefahr zu laufen, die Versorgerrolle ganz abzugeben.
“Das Wort “Erziehungsurlaub” ist ein Witz”, so erzählte mir ein Vater. Er hatte sich gefreut, zu Hause bleiben zu können und hatte im Kopf wirklich an Urlaub gedacht. “Das Problem ist, dass du permanent gefordert bist. Ständig wollen die Kleinen etwas von dIr. Selbst nachts trägst du Verantwortung. Das ist nichts für Softies. Es ist einfacher in der Arbeit auszuquecken, und wirklich Feierabend zu haben”, setzte der Familienvater fort.
Ob sich der Erziehungsurlaub für Väter denn dann gelohnt habe, frage ich ihn. “Auf jeden Fall!” berichtet er strahlend. “Ich habe so viel Zeit mit meinen Kindern verbringen können. Ich habe sie in ihrem Alltag kennengelernt und vor allem gesehen, was meine Frau tagaus, tagein alles leistet. Mütter verdienen meinen vollen Respekt! Und auch für meine Arbeitsorganisation habe ich einiges gelernt.” Anscheinend hat das auch die Industrie begriffen, denn die stellt immer häufiger Frauen nach der Kinderphase ein, in der sie zu wahren Managerinnen geworden sind.